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Sonntag, 12. August 2012

Friedrich der Große darüber, dass die Bürger die Hälfte des jährlichen Einkommens mit dem Staat teilen müssen oder Wie man aus zwei Zitaten eines macht


Dieses Zitat von Friedrich dem Großen sollte sich jede Regierung ins Stammbuch schreiben:
Eine Regierung muss sparsam sein, weil das Geld, das sie erhält, aus dem Blut und Schweiß ihres Volkes stammt. Es ist gerecht, dass jeder einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen. Aber es ist nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommens mit dem Staate teilen muss.
Nur leider hat der alte Fritz das so gar nicht gesagt. Der Volksmund oder wer auch immer hat nämlich aus zwei Zitaten eines gemacht, wohl weil es eingängiger ist.

Tatsächlich hatte der König von Preußen in seinem politischen Testament aus dem Jahr 1752 gesagt:
Ich glaube, es ist für den Herrscher ebensowenig ratsam, geizig wie verschwenderisch zu sein. Er soll vielmehr sparsam und freigebig sein. Sparsam, well er die Güter des Staates verwaltet, well das Geld, das er empfängt, Blut und Schweiß des Volkes ist und er es zum Besten des ganzen Staatskörpers verwenden muß.
(Soll ein Fürst geizig oder verschwenderisch sein? In Die Werke Friedrichs des Großen: in deutscher Übersetzung, S. 151)
In seinem politischen Testament aus dem Jahr 1768* schrieb er:
Hier eine andere wichtige Frage: es handelt sich um Steuern. Soll man  dabei das Staatswohl oder das Wohl des Einzelnen voranstellen, und welchen Entschluß soll man fassen? Ich antworte: Der Staat besteht aus lauter Privatleuten, und das Wohl des Herrschers deckt sich mit dem seines Volkes. Der Hirt schert seine Schafe, zieht ihnen aber nicht das Fell ab. Also ist es  recht und billig, daß jeder Privatmann zu den Staatskosten beiträgt, aber er  soll nicht sein halbes Einkommen mit dem Herrscher teilen.
(Volkswirtschaft. In Das Politische Testament Friedrichs d. Gr. von 1768, S. 113)
Eine andere Übersetzung, denn Friedrich II. verfasste seine Schriften natürlich in Französisch, lautet:
Muss man in Bezug auf die Steuern das Wohl des Staates oder das Wohl des Einzelnen vorziehen oder welche Partei soll man nehmen? Ich antworte: dass der Staat aus Einzelnen ,zusammengesetzt ist und es nur ein einziges Wohl gibt für den Souverän und seine Untertanen. Die Hirten scheren ihre Schafe, aber sie ziehen ihnen nicht die Haut ab. Es ist gerecht, dass jeder Einzelne dazu beiträgt, die Ausgaben des Staates tragen zu helfen, aber es ist gar nicht gerecht, dass er die Hälfte seines jährlichen Einkommen mit dem Souverän teilt.
(Quelle http://www.potsdamer-buergerzeitung.de/gesellschaft/das%20politische%20testament_friedrich.html)
*Für diese Überarbeitung des politischen Testaments von 1752 im November 1768 galt auf „allerhöchste Erschließung“ im Jahr 1842 der königlichen Familie ein Abdruckverbot. Die beiden politischen Testamente wurden erst 1920 von Gustav Berthold Volz vollständig veröffentlicht. Beide Testamente waren für Friedrichs Nachfolger gedacht, waren also keine weisen Worte für die Nachwelt.

Montag, 23. Mai 2011

Friedrich der Große über Moscheen und Toleranz


Einer der bekanntesten Aussprüche Friedrich des Großen, König von Preußen, lautet:

„Und wenn Türken nach Berlin kommen, so wollen wir Moscheen für sie bauen; wenn sie nur unser Land bevölkern.“

Aber so hat das der König gar nicht gesagt. Tatsächlich schreibt er als Antwort an den Rand des Immediat-Berichts des General-Directoriums vom 15. 6. 1740, in dem er gebeten wird, einem Katholiken das Bürgerrecht im evangelischen Frankfurt [an der Oder] zu verleihen:
alle Religionen Seindt gleich und guht wan nuhr die leüte so sie profesiren Erliche leüte seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land Pöpliren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen. (Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie ausüben, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.)*
(Quelle: Preußen und di(e katholische Kirche seit 1640)
Doch Friedrich II. wollte nicht nur Türken, sondern auch Tartaren ansieden. So schreibt er in einem Edikt an den Kammerdirektor v. Gaudi über die „Ansetzung von Tataren in Westpreußen“ vom 22. 7. 1775:
Ich habe Euch in Meiner Orde vom 7. Juni wegen der in dortiger Provintz zu machenden Verbesserungen unter andern Euch auch aufgetragen, Euch zu bemühen, die in Polen sich aufhaltenden Tartaren zu persuadiren, dass selbige sich in Meinen Landen niederlassen, und zwar in der Gegend an dem Goplower See herum gegen die Polnische Grentze, in so weit dieser See und die vielen Moräste nur urbar gemacht werden können. Ihr habt Mir aber noch nichts darüber gemeldet, wie weit Ihr darin gekommen seyd und was Ihr deshalb für Hoffnung habet. Da nun gegenwärtig ein Obrister von diesen Tartaren, Nahmens Zacharias Murza Baramowsky an Mich geschrieben und ein Regiment von ihnen zu errichten sich offeriret, so habe denselben Meine eigentliche Intention bekandt gemacht, dass Ich es nemlich gerne sehen würde, wenn diese Leute sich gantz und gar in Meinen Landen in der obbenannten Gegend etabliren wollten, und dass er sich dieserwegen an Euch adressiren und Über die Sache weiter tractiren könne.
Ihr werdet demnach Euch alle ersinnliche Muhe geben, gemeinschaftlich mit dem v. Domhurdt zu bewürcken, wie diese Leute zu gewinnen und in's Land gezogen werden können. Ich will ihnen gerne erlauben, Moscheen zu bauen und sollen sie allen Schutz geniessen. 
(Siehe auch: Rudolph Stadelmann: Preussens Könige in ihrer Thätigkeit für die Landescultur. Hirzel, 1882, S. 416)
In einer Randverfügung zum Immediat-Berich des Geistlichen Departements vom 22. Juni 1740, in dem es um Schulen für römisch-katholische Soldatenkinder geht, die „zu allerhand Inconvenientien“ führten, schreibt Friedrich der Große seinen wohl berühmtesten Ausspruch:

„Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben das Keine der andern abruch Tuhe, denn hier mus ein jeder nach seiner Fasson Seelich werden.“*
(Quelle: Preußen und die katholische Kirche seit 1640)

*Das Faksimile findet sich auf http://www.gsta.spk-berlin.de/ansichtskarten_uAe_463.html?PAGE=artikel_detail&artikel_id=35