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Mittwoch, 13. Juni 2012

Goethe und die Steine, die einem in den Weg gelegt werden – oder sind sie doch von Kästner oder von wem?


Wir lieben Zitate. Wir sammeln sie, erfreuen uns daran, finden Trost. Und manchmal benutzen wir Zitate, weil sie so praktisch sind. Für alle Lebenslagen sozusagen. Ungewohnt ist allerdings noch, dass Politiker ihre Reden oder Statements mit Zitaten würzen. Wenn sie das aber tun, sollten sie oder besser ihre Redenschreiber genau recherchieren, ob das Zitat richtig ist und ob es dem richtigen Urheber zugeordnet ist (und wenn ja, ob er überhaupt zitiert werden darf).

Ursula von der Leyen zitierte in einer Rede vor dem Bundestag im Zusammenhang mit der Reform von Hartz IV den „Spruch des Jahres“, wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, von Goethe:
Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Ob es in dem Zusammenhang das richtige Zitat ist, sei dahingestellt. Fragt sich nur: Ist es wirklich von ihm?

Ich wäre darauf gar nicht gekommen, hätte ich nicht neulich genau dieses Zitat getwittert, weil es zu meiner momentanen Stimmung so gut passte, und als Antwort bekam: „Wo hat Goethe das gesagt?“ Nun ja, das nahm ich nicht so ernst. Man twittert ja so manches. Schließlich wird er nicht alles und jedes aufgeschrieben haben. Ich erfuhr dann aber zufällig, dass das Zitat von Erich Kästner stammen soll. Daraufhin bekam ich einen Schreck, denn Kästner darf man ja nun ganz und gar nicht zitieren, weil das sehr, sehr teuer wird  (siehe http://juttas-schreibblog.blogspot.com/search?q=k%C3%A4stner). Also googelte ich mal wieder ein bisschen. Und stellte fest, dass wohl niemand so recht weiß, wie das Zitat überhaupt heißt.

Ich fand folgende Versionen (die Tippfehler habe ich mal außen vor gelassen), wobei auch die mit demselben Wortlaut Kästner beziehungsweise Goethe zugeschrieben wurden. Das heißt, „unbekannt“ stand auch einmal dabei. Nun ja, damit macht man es sich immer am einfachsten.

    Auch aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
    Auch aus großen und schweren Steinen, die einem in dem Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
    Auch aus Steinen, die das Leben einem in den Weg legt, kann man was Schönes bauen.
    Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man schöne Dinge bauen.
    Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen
    Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du noch etwas bauen.
    Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
    Auch aus Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, lässt sich etwas Hübsches bauen.
    Auch aus Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, lässt sich SCHÖNES bauen.
    Auch mit Steinen, die dir im Weg liegen, kann man was Schönes bauen!
    Aus den Steinen, die einem im Weg liegen, kann man sich auch was Schönes bauen
    Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man auch etwas Schönes bauen.
    Aus Steinen, die im Weg liegen, kann man was Schönes bauen!
    Leg deinen Mitmenschen Steine in den Weg, sie mögen sich daraus etwas bauen!

Ich gestehe, nach so vielen unterschiedlichen Versionen gab ich auf.

Ein deutschsprachiger Urheber kann es nicht gewesen sein, denn so viele Versionen sprechen für eine Übersetzung der weisen Worte. Also habe ich es anders herum versucht und mit englischen Stichwörtern gegoogelt. Dabei fand ich diese Zitate:

    Even the stones that have been placed in one's path can be made into something beautiful.
    Even the stones in one's path can be made into something beautiful. 
    Even the stones placed in one's path can be made into something beautiful.

Und wer wurde als Urheber genannt? Genau. Mark Twain oder Bernhard Shaw, denen gern solche Worte in den Mund gelegt werden, waren es also auch nicht.

Jedenfalls fand ich noch „Du musst aus den Steinen, die man dir in den Weg legt, eine Brücke bauen“ von Konfuzius (beziehungsweise „Aus den Steinen, mit denen wir Mauern errichten, lassen sich auch Brücken bauen“, „Aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man sich manchmal eine lebensrettende Brücke bauen“ und „Aus den Steinen, mit denen wir Mauern errichten, lassen sich auch Brücken bauen“), „Wer Berge versetzen will, muss damit beginnen, viele kleine Steine abzutragen“ und die „persische Weisheit“: „Lege deinem Mitmenschen Hindernisse in den Weg. Soll er daran wachsen!“

Nun war ich endgültig verwirrt und wollte schon aufgeben, aber da stolperte ich über die Treppen. Denn Goethe soll auch gesagt haben: „Lege deinem Mitmenschen Steine in den Weg. Soll er sich daraus eine Treppe bauen“ (oder auch „Lege deinen Mitmenschen Steine in den Weg. Mögen sie sich doch daraus eine Treppe bauen“), Robert Lembke „Mit etwas Geschick kann man sich aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, eine Treppe bauen“ und nochmal Konfuzius: „Mit eigenem Geschick kann man sich aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, eine Treppe bauen.“

Was man alles so aus Steinen und mit Steinen machen kann …

Einer hat mal etwas Schlaues gesagt, sagen wir mal, Konfuzius. Goethe hat den Spruch gelesen und in eigene Wort gekleidet. Und dann war es wie mit der stillen Post: Jemand hat die Worte aufgegriffen und weitergegeben und der hat es wieder weitergegeben und so weiter und so fort, und dabei wurde mal ein Wort geändert, mal ein Wort hinzugefügt. Wie das so ist. Und irgendwann hat man vergessen, wer sie als erster gesagt hatte. Und nennt, da Goethe schließlich immer so schlaue Sachen gesagt hat, ihn als Urheber.

Lange Rede kurzer Sinn: Auch dieses Zitat ist ein Beispiel dafür, dass man nicht blindlings Sprüche aus dem Internet kopieren sollte, jedenfalls nicht aus irgendwelchen Zitatensammlungen. Am besten sind immer die Originalquellen.

Donnerstag, 11. August 2011

Über Schillers praktische Worte, die man überall anwenden kann, 2 Goethes, 2 Gäsefüßchen und 1 Eckermann


„Es ist bei Schillern jedes Wort praktisch, und man kann ihn im Leben überall anwenden“, heißt es bei Goethe.

Wirklich? Und wenn ja, bei welchem, dem Vater oder dem Sohn? Oder war es ein anderer, der das festgestellt hat?

Tatsächlich sind diese Worte in einem Disput zwischen Goethes Sohn August und Johann Peter Eckermann gefallen.

Am 22. 6. 1827 notierte Eckermann in seinem Tagebuch:
(…) Diese Worte trafen den Nagel auf den Kopf, und ich gab mich gefangen. „Seht Doctor, Ihr seyd ein großer Mensch und ich habe Euch lieb, aber daß Ihr Schiller nicht anerkennen wollt deswegen könnte ich Euch umbringen!“ „Es wäre doch Schade“, sagte ich scherzend, „wenn ich wegen Schiller sterben sollte, denn ich möchte gerne noch dieß und jenes in der Welt thun.“ „Nein Ihr erkennt ihn nicht an.“ „Warum nicht, wie beweiset sich das?“ „Ihr sprecht nicht von ihm, Ihr ignoriret ihn.“ „Ich verleugne ihn nicht!“ „Aber Ihr tragt keine Stelle von ihm im Munde.“ „Weil ich zu wenig Praktisches finde. Es ist bey Schillern jedes Wort practisch, und man kann ihn im Leben überall anwenden. Aber Ihr kennt ihn nicht.“ „O wie Ihr sprecht“, sagte ich, „ich kenne Schillern so gut wie Einer, ich habe eine Periode im Leben gehabt, wo ich ihn viel las und bewunderte, weil ich nichts Besseres hatte. Aber das ist vorbey, ich habe etwas Höheres kennen gelernt und kann nicht zu ihm zurück.“ „Sagt lieber Ihr habt kein Organ für ihn! Es giebt Menschen die in gewisser Hinsicht ewig Raupen bleiben so lange sie leben, ein solcher seyd Ihr in Bezug auf Schiller. Ihr seyd bornirt! (Er trat zu mir heran und bezeichnete mit seinem Finger eine Linie auf meiner Stirn.) „Hier sieht man es Euch an, daß Ihr bornirt seyd und Schiller nie begreifen werdet!“ Dieß war beleidigend und ich fühlte daß mein Blut in Bewegung kam, doch bändigte ich meine Empfindungen im Gefühle des Ortes der mich umgab. „Gehen Sie mir mit Ihrem Schiller“, sagte ich, „ich weiß so gut was an ihm Vorzügliches und Fehlerhaftes ist, als Einer. Schiller ist ein guter Theaterdichter und voller Wirkung von der Bühne herunter, im Übrigen aber kann man für höhere Menschenbildung nicht viel aus ihm gewinnen. Seine ersten Stücke sind roh, und auch in den späteren beleidigt er nicht selten die Natur und Convenienz.“ „Sie reden von den Räubern“, sagte Herr v. Goethe, „und das gebe ich zu, aber seine späteren Stücke sind der Stolz der deutschen Literatur. In den ersten Sachen meines Vaters ist auch manches gesündigt.“ „Mag seyn gegen die Kunst“, sagte ich, „aber nie gegen die Natur. Ihr Herr Vater war gesund und vollkommen geboren, dagegen Schiller ist erst durch die Cultur geworden was er ist.“ „Um etwas zu werden“, sagte Herr v. Goethe, „mußte er doch auch etwas seyn; er war ein roher Diamant der jetzt als geschliffener Stein glänzt, aber er mußte doch ein Diamant seyn, um solche Strahlen hergeben zu können als er jetzt thut.“ Ich freute mich des Gleichnisses und gab es ihm zu.“ (Hier bricht der Eintrag ab)
(In Goethes Gespräche: Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang auf Grund der Ausgabe und des Nachlasses von Flodoard Freiherrn von Biedermann erg. und hrsg. von Wolfgang Herwig, Bd. 3,2: 1825–1832. Artemis 1972, S. 153)
Eckermann war zwar schwer gekränkt, wie es heißt, aber am 27. 6. 1827 schrieb er dann doch an Goethe – den Vater, nicht den Sohn –:
Excellenz! Ich zweifle, ob ich es wagen darf, heute zu Tisch zu kommen, indem ich noch nicht so glücklich gewesen, mich mit Ihrem Herren Sohne zu zu versöhnen. Ich bin ihm jedoch längst wieder gut und hoffe auch daß dieses Mißverhältniß sich bald wieder ausgleichen werde.
(In J. P. Eckermann: Sein Leben für Goethe: Nach seinen neuaufgefundenen Tagebüchern und Briefen dargestellt. Bd. 1. Haessel 1928, S. 292)
Johann Wolfgang von Goethe ist also nicht der Urheber des Zitats, aber auch nicht sein Sohn, sondern Eckermann selbst.

Wobei eh nicht ganz klar ist, wer was gesagt hat, denn auf dem Weg zum Drucker sind wohl irgendwann einmal zwei Gänsefüßchen verlorengegangen. Meiner Meinung nach fehlen sie zwischen „und man kann ihn im Leben überall anwenden“ und „Aber Ihr kennt ihn nicht“, denn dass Eckermann nun seinerseits August von Goethe vorwirft, er würde Schiller nicht kennen, erscheint mir unwahrscheinlich. Die richtige Zeichensetzung müsste lauten „… überall anwenden.“ „Aber Ihr kennt ihn nicht.“ – Woran man mal wieder sieht, wie wichtig sogar Gänsefüßchen sein können … –

Mittwoch, 13. Juli 2011

Vor Männern, die behaupten, dass sie ein Amt nicht für sich selbst anstreben …: Über ein Zitat Ciceros, das es nicht gibt


Bei seiner Festrede anlässlich der Verleihung des Preises „Das politische Buch“ 2011 der Friedrich-Ebert-Stiftung an Peer Steinbrück für dessen Werk Unterm Strich sprach Wolfgang Schäuble auch über dessen eventuelle Kanzlerkanditatur im Jahr 2012 und zitierte dabei Marcus Tullius Cicero:
Vor Männern, die behaupten, dass sie ein Amt nicht für sich selbst anstreben, muss man sich in Acht nehmen. Das sind die eitelsten von allen. (Nach anderen Quellen auch „… muss man sich immer in Acht nehmen …“ oder … dass sie ein Amt nicht anstreben …).

Always beware of the man who says he is not seeking office for himself, for he is the vainest of the lot.
Nur gibt es für dieses Zitat keinen Beleg.

Tatsächlich stammt es aus dem Roman Imperium* (von lat. = Macht, das Recht zu befehlen) von Robert Harris, in dem dieser Ciceros Sekretär und engsten Vertrauten, den Sklaven und späteren Freigelassenen Marcus Tullius Tiro, vor allem bekannt als mutmaßlicher Erfinder des römischen Kurzschriftssystems, über Ciceros Aufstieg zum großen Redner und Staatsmann berichten lässt und dabei einen tiefen Einblick in den Menschen Cicero gewährt und historische Ereignisse aus dessen Umfeld liefert.

So schreibt Tiro unter anderem über Gaius Licinius Sacerdos**, einen der Mitkandidaten Ciceros für das Amt des Konsuls:
Sacerdos war einer jener irritierenden Kandidaten, die „keine persönlichen Ziele verfolgten“, wie sie gern sagten, sondern denen es ausschließlich um „Sachfragen“ ging. Über solche Leute pflegte Cicero zu sagen: „Vor Männern, die behaupten, dass sie ein Amt nicht für sich selbst anstreben, muss man sich in Acht nehmen. Das sind die eitelsten von allen.“ (Robert Harris: Imperium. Heyne 2. Aufl. 2006, S. 405)

Sacerdos was one of those irritating candidates who enter elections „not out of any personal ambition“, as they like to say, but solely with the intention of „raising issues“. „Always beware of the man who says he is not seeking office for himself“, said Cicero, „for he is the vainest of the lot“. (Robert Harris: Imperium: A Novel of Ancient Rome. Simon und Schuster 2006, S. 258)
Die Biographie über Cicero, die Tiro in griechischer Sprache verfasste, gab es tatsächlich, nur ging sie beim Untergang des Römisches Reiches verloren. Belegt ist sie aber durch Plutarch, der auf sie für seine Cicero-Vita  zurückgegriffen haben soll (siehe auch Herman Peter: Quellen Plutarchs. Halle: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses 1865, S. 129ff.).  Auch Quintus Asconius Pedianus bezieht sich laut Robert Harris in Pro Milone 38 auf das vierte Buch Tiros über Ciceros Leben (S. 7).**

Harris greift in seinem Roman auf historisch Belegtes zurück, und der „Rest könnte sich zumindest so ereignet haben“, wie er schreibt. Und er hofft, dass er nichts geschrieben hat, was nachweislich falsch ist. Bei den Recherchen für seinen Roman hat er unter anderem die neunundzwanzig Bände umfassende Ausgabe von Ciceros Reden und Briefen studiert. Alle belegten Aussagen, ob es nun die aus einem Brief an seinen Freund Titus Pomponius Atticus sind oder die seines Bruders Quintus Tullius in dessen Handbuch mit Tipps für  Wahlkämpfe, dem Commentariolum petitionis (auch De petitione consulatis; Empfehlungen zur Bewerbung um den Konsulat; Little Handbook on Electioneering, auch bekannt als On Running for the Consulship), das er für Ciceros Bewerbung um das Konsulat verfasste, sind kursiv gedruckt und damit als belegte Quelle kenntlich gemacht.

Autoren von fiktiven Biographien steht natürlich frei zu schreiben, was ihnen ihre Phantasie eingibt. Robert Harris wird jedoch in Anbetracht seines Quellenstudiums Cicero Worte in den Mund gelegt haben, die dieser jederzeit hätte sagen können. 

Langer Worte kurzer Sinn: Wolfgang Schäuble und alle Zitatensammlungen zitieren nicht Cicero, sondern Robert Harris.

(Siehe dazu auch die Ausführungen zum Thema „Die Rezeption der römischen  Antike im historischen Roman der Gegenwart“)

*Leseprobe in Deutsch siehe bilandia.de/multimedia/leseproben/9783453265387.pdf
**Wahrscheinlich meint Harris damit den Kommentar von Asconius Pedianus zu Ciceros Rede Pro T. Annio Milone (Für Titus Annius Milo), in dem er das vierte Buch von Tiro, die Disputatio historico–critica, zitiert (siehe auch Geschichte der römischen Literatur, 1832, S. 389)

Mittwoch, 15. Juni 2011

Fundstück der Woche

Vielen deutschen Zitatensammlungen sei diese Anmerkung auf einer Sammlung von lateinischen Zitaten mit englischer Übersetzung ins Stammbuch geschrieben:
This table was compiled from multiple sources on the Internet; in other words, it's guaranteed to be inaccurate. Caveat lector!

Freitag, 10. Juni 2011

Über „Damit nicht Sonn und Mond umsonst die Bahn beschlossen …“


Nun, abgesehen davon, dass hinter Sonn ein Apostroph fehlt, zuerst einmal: Die Worte

„Damit nicht Sonn und Mond umsonst die Bahn beschlossen, freut euch der Ruh, ihr Weggenossen“
 (auch: Damit nicht Sonn und Mond umsonst die Bahn beschlossen, / Freut euch der Ruh, ihr Weggenossen)

sind kein Gute-Nacht-Spruch und auch kein Tagesmotto von Konfuzius, auch von „Weggenossen“ ist im Originaltext nicht die Rede, sondern sie stammen aus dem Gedicht

Einzug in’s Winterhaus*

Die Fluren sind geleert,
Die sommerliche Grille
Ist mit uns eingekehrt
Zur winterlichen Stille.
Nun abgelaufen sind
Des Jahres Mond’ und Sonnen;
Eh wieder sie’s begonnen,
Erquicket euch gelind!
Der Mond, die Sonne, die uns sahn zur Arbeit gehen,
Sie wollen unsre Ruh nun sehen.

Die Fluren sind geleert,
Und selbst die Sommergrille
Ist mit uns eingekehrt
In unsre Winterstille.
Es haben ihre Bahn
Beschlossen Mond und Sonne;
Nun feyern wir in Wonne,
Bis neu sie heben an.
Damit nicht Sonn’ und Mond umsonst die Bahn beschlossen,
Freut euch der Ruh, ihr Werkgenossen!

Die Fluren sind geleert,
Die sommerliche Grille
Ist mit uns eingekehrt
In’s Winterhaus das stille.
Es gehn ohn’ Aufenthalt
Der Jahre Mond’ und Sonnen;
Sehn uns in Leid und Wonnen;
Und sehn uns jung und alt.
Nun in der Fröhlichkeit laßt guter Sitt’ uns denken,
Daß sie den Blick uns gerne schenken!

*Die Überschrift „Freut euch der Ruh, ihr Werkgenossen!“ ist ebenfalls falsch.

Ebenso falsch ist die Angabe von Konfuzius oder gar Adolf Kolping als Verfasser. Das Gedicht stammt aus dem Schi-king, einer Sammlung von chinesischen Liedern aus dem 10. und 7. Jahrhundert v. Chr., zum Teil sogar noch älteren Datums, die Konfuzius gesammelt hat. Mehr zum Schi-king siehe unter anderem im Morgenblatt für gebildete Leser, S. 57 und S. 62.

Die hier aufgenommene Version ist aus Schi-king: Chinesiches Liederbuch**, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert***. Hammerich 1833, S. 124f. (Mehr zu Rückerts Nachdichtung siehe hier). Weitere Übersetzungen beziehungweise Nachdichtungen stammen unter anderem von Albert Ehrenstein und Victor von Strauß. Zu den Übersetzungen des Schi-king allgemein siehe hier und speziell zu Ehrensteins Übersetzung hier. Eine Übersicht der Übersetzungen ins Lateinische, Englische, Französische und Deutsche bietet
http://61.197.194.11/morisoncategory/MorisonQueryResultNDC.php?cm1=III&cm2=9-B-d

**auch Das kanonische Liederbuch der Chinesen

***Nach der lateinischen Übersetzung des französischen Jesuiten P. Alexandre de la Charme SJ  (auch P. Alexandre Lacharme) aus dem Jahr 1733 mit dem Titel Confucii Chi-king, Sive Liber Carminum, herausgegeben von Julius Mohl, Cotta 1830.

An diesem einen Zitat kann man sehen, was man alles falsch machen kann: Falscher Urheber, falsche Zitierweise, Fehler im Zitat und falsche Überschrift eines Gedichtes.

Freitag, 29. April 2011

Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen …

… soll ein Ausspruch von Sokrates sein.

Tatsächlich aber stammen diese Worte aus Søren Aabye Kierkegaards „Ein ekstatischer Vortrag“ (Et exstalisk Foredrag):

Heirate, du wirst es bereuen; heirate nicht, du wirst es auch bereuen; heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen; entweder du heiratest oder du heiratest nicht, du bereust beides. Lache über die Torheiten der Welt, du wirst es bereuen; wein über sie, du wirst beides bereuen; lache über die Torheiten der Welt oder weine über sie, du wirst beides bereuen; entweder du lachst über die Torheiten der Welt oder du weinst über sie, du bereust beides. Trau einem Mädchen, du wirst es bereuen; traue ihr nicht, du wirst es auch bereuen, trau einem Mädchen oder traue ihr nicht, du wirst beides bereuen; entweder du traust einem Mädchen oder du traust ihr nicht, du wirst beides bereuen. Erhänge dich, du wirst es bereuen; erhänge dich nicht, du wirst es auch bereuen; erhänge dich oder erhänge dich nicht, du wirst beides bereuen; entweder du erhängst dich oder du erhängst dich nicht, du wirst beides bereuen. Dies, meine Herren, ist aller Lebensweisheit Inbegriff.

Gift Dig, Du vil fortryde det; gift Dig ikke, Du vil ogsaa fortryde det; gift Dig eller gift Dig ikke, Du vil fortryde begge Dele; enten Du gifter Dig, eller Du ikke gifter Dig, Du fortryder begge Dele. Lee ad Verdens Daarskaber, Du vil fortryde det; græd over dem, Du vil ogsaa fortryde det; lee ad Verdens Daarskaber eller græd over dem, Du vil fortryde begge Dele; enten Du leer ad Verdens Daarskaber, eller Du græder over dem, Du fortryder begge Dele. Troe en Pige, Du vil fortryde det; troe hende ikke, Du vil ogsaa fortryde det; troe en Pige eller troe hende ikke, Du vil fortryde begge Dele; enten Du troer en Pige eller Du ikke troer hende, Du vil fortryde begge Dele. Hæng Dig, Du vil fortryde det; hæng Dig ikke, Du vil ogsaa fortryde det; hæng Dig eller hæng Dig ikke, Du vil fortryde begge Dele; enten Du hænger Dig, eller Du ikke hænger Dig, Du vil fortryde begge Dele. Dette, mine Herrer, er Indbegrebet af al Leve-Viisdom.*

Marry, and you will regret it. Do not marry, and you will also regret it. Marry or do not marry, you will regret it either way. Whether you marry or you do not marry, you will regret it either way. Laugh at the stupidities of the world, and you will regret it; weep over them, and you will also regret it. Laugh at the stupidities of the world or weep over them, you will regret it either way. Whether you laugh at the stupidities of the world or you weep over them, you will regret it either way. Trust a girl, and you will regret it. Do not trust her, and you will also regret it. Trust a girl or do not trust her, you will regret it either way. Whether you trust a girl or do not trust her, you will regret it either way. Hang yourself, and you will regret it. Do not hang yourself, and you will also regret it. Hang yourself or do not hang yourself, you will regret it either way. Whether you hang yourself or do not hang yourself, you will regret it either way. This, gentlemen, is the quintessence of all the wisdom of life. (Übersetzung wikipedia)

Eine niederländische Übersetzung gibt es hier

(In Søren Kierkegaard: Entweder – Oder. J. Hegner 1960,  S. 49)

*In Victor Eremita (Hrsg.): Enten–Eller. Et Livs-Fragment. Reitzel 1843, S. 23. Victor Eremita war eines der Pseudonyme Kierkegaards. Weitere Pseudonyme waren Johannes de Silentio, Constantin Constantinus, Hilarius Buchbinder, Johannes Climacus, Anti-Climacus und Vigilius Haufniensis)

Dienstag, 26. April 2011

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht …


Eines der ersten Sprichwörter, mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blicke vorgetragen, das wir lernten, war

»Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.« (Auch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann bzw. …gleich die Wahrheit spricht.)

A liar is not believed even though he tell the truth.
Liars aren't believed even when they are telling the truth.
We give no credit to a liar, even when he speaks the truth.
Lažnivcu navadno ne verjamemo niti takrat, kadar govori resnico
Lögnarna tror man intenditur ens när de talar sanning.

Nur: Wieder einmal die Frage: Ist das überhaupt ein Sprichwort? Antwort: Jein.

Für den Ursprung des Sprichworts gibt es zwei Quellen. Die erste Quelle ist die Fabel Wolf und Fuchs vor dem Richterstuhl des Affen von Aesop (6. Jahrhundert v. Chr.) – fälschlich Phädrus (um 20 v. Chr. – um 51 n. Chr.) zugesprochen; der hatte Aesop jedoch nur zitiert –:

Wen einmal zeichnet des Betruges Makel,
Verliert, auch wo Wahrheit spricht, den Glauben:
Die kurze Fabel von Aesop bezeugt’s.

Der Wolf bezichtigte den Fuchs des Diebstahls;
Der leugnet allen Anteil an der Schuld:
Zu schlichten saß der Affe zu Gericht.
Als beide ihre Sache vorgetragen,
Erteilt der, wie erzählt wird, die Sentenz:
»Du, scheint’s, verlorst gar nicht, worauf du klagst,
Du, glaub' ich, stahlst, was du so schön verleugnest.«

Lupus et Vulpis Iudice Simio

Quicumque turpi fraude semel innotuit,
Etiam si verum dicit, amittit fidem.
Hoc adtestatur brevis Aesopi fabula: –

Lupus arguebat vulpem furti crimine;
Negabat illa se esse culpae noxiam.
Tunc iudex inter illos sedit simius.
Uterque causam cum perorassent suam,
Dixisse fertur simius sententiam:
»Tu non videris perdidisse quos petis;
Te credo subripuisse quod pulchre negas.«

(In Phädrus des Freigelassenen des Augustus Äsopische Fabeln, verdeutscht von Johannes Siebelis. Hoffmann’sche Verlags-Buchhandlung 1857, S. 7f.)

(Diese Fabel findet sich auch unter dem Titel Der Affe als Richter zwischen Wolf und Fuchs bei Jean de La Fontaine (1621–1695.)

Die Verse »Quicumque turpi fraude semel innotuit, / Etiam si verum dicit, amittit fidem« gab Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. – 43 v. Chr.) in Rhetorica, De Divinatione Liber II, 71 146 folgendermaßen wieder:
Ut mihi mirum videatur, cum mendaci homini ne verum quidem dicenti credere soleamus, quo modo isti, si somnium verum evasit aliquod, non ex multis potentius uni fidem derogent, quam ex uno innumerabilia confirment.
Die Worte »Mendaci homini ne verum quidem dicenti credere soleamus«  (Einem Lügner pflegen wir nicht zu glauben, auch wenn er die Wahrheit spricht = Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht) wurden wiederum zu einem internationalen Sprichwort.

– Inwieweit sich Cicero auf Demetrios von Phaleron (Demetrios Phalereus) (um 345 v. Chr. – um 280 v. Chr.) bezieht, konnte ich nicht feststellen.  –

Georg Büchmann erwähnt Cicero in seinen Geflügelten Worten (Haude & Spener 1964) jedoch nicht. Er bezieht sich auf Andreas Tscherning (1611–1659), der 1642 die Verse »Quicumque turpi fraude semel innotuit, / Etiamsi verum dicit, amittit fidem« in seiner Fabel Lügen-Lohn, die mit den Worten »Ein junger Hirte war zu schreyen oft geflissen: / Kommt, Brüder, helft! der Wolf hat mir ein Schaff erbissen. / Wenn nun das Hirtenvolk gesammt zur Stelle war, / Da sprach er: Seyd zur Ruh, es hat noch nicht Gefahr« beginnt, folgendermaßen wiedergegeben habe:
Daß einem hier die Welt, der einmal Lügen liebt / Auch wenn er Wahrheit redt, nicht leichtlich Glauben gibt
und auf Ludwig Heinrich von Nicolays (1737–1820), der die Verse in seinem Gedicht Der Lügner, das mit den Worten beginnt »Ein böser Bub’ stellt’ oft sich lahm / und rief, er hätt’ ein Bein gebrochen; / doch wenn ihm der zu Hülfe kam, / den er um Beistand angesprochen: / so war der Dank alsdann: er wies / die Zähne dem, der sich betrügen ließ«, mit den Worten wiedergibt:
Man glaubt ihm selbst dann noch nicht, / Wenn er einmal die Wahrheit spricht.
(Allerdings wird Nicolay falsch zitiert; richtig heißt es: »Man glaubet ihm selbst dann auch nicht / Wann er einmal die Wahrheit spricht.«)
In einer anderen Ausgabe seiner Geflügelten Worte (Haude & Spener 1920) verweist Büchmann auf ein weiteres Gedicht mit dem Titel Der Hirtenknabe von Johann Benjamin Michaelis (1746–1772), das dieselbe Fabel wie die von Nicolay sei. Allerdings beginnt das Gedicht mit den Worten »Helft, Brüder! Helft! der Wolf hat schon ein Schaf im Rachen!« / So rief ein junger Hirt, sich eine Lust zu machen. / Wann nun das Hirtenvolk herbeigelaufen war. / Dann rief er: Geht zur Ruh’, es hat noch nicht Gefahr! / »Ich habe nur versucht, / ob ihr auch wachsam wäret«, und der Titel ist auch nicht Der Hirtenknabe, sondern Der Lügner oder auch Lohn der Lügen. – Allerdings werden als Autor wiederum Nicolay, Karl Wilhelm Ramler (wohl weil er eine Fabelsammlung mit dem Gedicht ohne Angabe des Autors herausgegeben hatte) und Johann Wilhelm Ludwig Gleim genannt (der wiederum wohl deshalb, weil Michaelis eine zeitlang in dessen Haus lebte). Es endet mit den Worten:
Nun ward der Thor erst inne, / Wie albern er gethan; nun kam ihm erst zu Sinne / Das Sprüchwort: »daß man dem, der einmal Lügen übt, / Auch wenn er Wahrheit spricht, nicht leicht mehr Glauben giebt.«
Daraus habe »sich die landläufig genauere Übertragung gebildet« (Büchmann)
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
und wenn er auch die Wahrheit spricht.
Nur – hier irrt Büchmann. Denn Tscherning bezieht sich in seinem Gedicht auf Aesops Fabel Der Schäfer und der Wolf, auch bekannt als Der Hirtenjunge und der Wolf, Der lügenhafte Hirtenknabe oder Der Junge, der Wolf schrie, und das ist die zweite Quelle:

De Puero Oves Pascente

Puer quidam cum oues eminentiori in loco depasceret,  sæpius clamabat, heus o a lupis mihi succurrite. Qui circum aderant cultores agrorum, cultum omittentes, ac illi occurrentes, atque nihil esse comperientes, ad opera sua redeunt. Cum pluries puer id ioci causa fecisset, ecce cum lupus pro certo adesset, puer ut sibi succurratur serio clamat. Agricolæ id uerum non esse putantes, cum minime occurrerent, lupus oues facile perdidit.
→ Fabula significat, quod qui cognoscitur mentiri, ei ueritas postea non creditur.

(Quelle: http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd16/content/pageview/2240456)

Leider gibt es für diese Fabel keine gute Übersetzung. Eine Übersetzung, die mit den Worten beginnt: »Es war einmal ein Hirtenjunge, der jeden Tag die Schafe hütete. Jeden Morgen holte er die Tiere von ihren Besitzern ab und trieb sie in die Berge, wo die Schafe grasen sollten. Am Abend brachte er sie gewissenhaft zurück ins Dorf«können Sie hier lesen.

Näher kommt diesem Text die englische Version 

The Shepherd’s Boy and the Wolf (auch: The Story of the Boy Who Cried ‘Wolf)

A shepherd-boy, who watched a flock of sheep near a village, brought out the villagers three or four times by crying out, „Wolf! Wolf!“ and when his neighbors came to help him, laughed at them for their pains. The Wolf, however, did truly come at last. The Shepherd-boy, now really alarmed, shouted in an agony of terror: „Pray, do come and help me; the Wolf is killing the sheep“; but no one paid any heed to his cries, nor rendered any assistance. The Wolf, having no cause of fear, at his leisure lacerated or destroyed the whole flock.

There is no believing a liar, even when he speaks the truth.

Das Sprichwort als solches ist das erste Mal belegt bei Karl Simrock: Die deutschen Sprichwörter. Brönner 1846, Nr. 6674.

Dienstag, 12. April 2011

Über Wilhelm von Humboldt und das Zu-Stande-Bringen

„Je weniger man zustande bringt, desto kürzer scheint das Leben“, so heißt angeblich ein Zitat von Wilhelm von Humboldt. Angeblich, denn er hat zwar über das Zu-Stande-Bringen geschrieben, sogar zweimal, es aber anders formuliert, und zwar:

„Es liegt in dem Alter selbst, daß man die Flüchtigkeit der Zeit beschleunigt findet. Je weniger man zustandebringt, desto kürzer scheint sie.“
(In Briefe von Wilhelm von Humboldt an eine Freundin, 51. Brief. Brockhaus 1847, S. 245)

und

„Je weniger man zu Stande bringt, desto kürzer erscheint die Zeit, da man doch die vergangenen Wochen nicht sowohl nach den Tagen, als nach ihrem Inhalt in der Erinnerung mißt.“
(In Wilhelm von Humboldts Briefe an eine Freundin, Bd. 2. Insel  1910, S. 329)

Das Zitat „Je weniger man zustande bringt, desto kürzer scheint das Leben“ ist nirgends belegt.

Samstag, 9. April 2011

Vielleicht ginge es besser, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen

Vielleicht ginge es besser, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen; wenn die Menschen an der Leine und die Hunde an der Religion geführt würden. Die Hundswut könnte in gleichem Maße abnehmen wie die Politik.

Perhaps things would be better if people were given muzzles and dogs laws, if people were led around on leashes and dogs on religion. (Translated by Harry Zohn, http://www.openletteronline.com/main/2006/11/aphorisms_by_karl_kraus-print.html)

Karl Kraus 

(In Die Fackel, H. 298-299, 21. 3. 1910, S. 46)

Die Version „Vielleicht stünde* es um die Welt besser, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen” mit Georg Bernhard Shaw als Urheber ist falsch.

*auch stände

Nachtrag: Dieser Beitrag ist meine Antwort auf die Frage bei cosmiq.de, wie das Zitat „Vielleicht stünde es besser um die Welt, wenn die Menschen Maulkörbe und die Hunde Gesetze bekämen“ in der Originalsprache lautet und vom wem es ist. Google findet dafür 183.000 Ergebnisse; fügt man als Suchwort Shaw hinzu 13.600, beim Suchwort Kraus 3.300. Nun streite ich mich mit einem User, der Shaw als Urheber genannt hatte, weil er meint, dass schließlich die vielen Internetseiten, die Shaw als Urheber angeben, nicht irren können. Außerdem gäbe es das Zitat auch in englischer Sprache, wo Kraus doch deutschsprachig war. Das Bewusstsein für das richtige Zitat ist völlig unterentwickelt.

Mittwoch, 30. März 2011

Heisenberg über die Atomtechnik oder war es Max Born?

»Die Atomtechnik ist ein Triumph des menschlichen Verstandes, aber ein tragisches Versagen der menschlichen Vernunft«, soll Werner Heisenberg gesagt haben. Doch weder hat er das gesagt, noch geht es um die Atomtechnik. Richtig heißt das Zitat:
Ich gehöre zu der Generation, die zwischen Verstand und Vernunft unterschied. Von diesem Standpunkt ist die Raumfahrt ein Triumph des Verstandes, aber ein tragisches Versagen der Vernunft.
Und der Urheber ist Max Born
(in Max Born: Von der Verantwortung des Naturwissenschaftlers. Nymphenburger Verlagshandlung 1965, S. 126)