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Dienstag, 31. Juli 2012

Aus der Rubrik: Sie haben es nie gesagt“: Jean Paul über Komma, Punktum und Sinn

Der Mundartdichter Fritz Reuter zitiert in Ein gräflicher Geburtstag Jean Paul:

"Jean Paul’s Regel für die Interpunktion: Wenn der Sinn halb aus ist, machst du ein Komma, wenn der Sinn ganz aus ist, machst du ein Punktum, und wenn du etwas geschrieben hast, worin gar kein Sinn ist, kannst du Komma und Punktum setzen, wo du willst; diese Regel sage ich, leidet hier durchaus keine Anwendung."

(In Meklenburgisches Volksbuch. Reclam 1905, S. 147)

Nur leider irrt Fritz Reuter, und das gleich zweifach. Denn das Zitat ist von Matthias Claudius und lautet richtig: 
Sieht Er, Andres, wo der Verstand halb aus ist, setzt Er ein Komma; wo er ganz aus ist, ein Punctum, und wo gar keiner ist, kann Er setzen, was Er will, wie Er auch in vielen Schriften findet, die herauskommen. 
(In Asmus omnia sua secum portans (Über das Genie) http://tinyurl.com/cxdrct4)
Vollständig lautet Fritz Reuters Zitat:
Ich mache hier darauf aufmerksam, daß die beiden angeführten Festlieder* wörtlich von mir copirt sind, und daß ich auch in der Interpunction nichts geändert habe, die in solchen exaltirten, gleichsam übersinnlichen Formen sich wohl einen großen Luxus von Zeichen, namentlich von Gedankenstrichen und Ausrufungszeichen erlauben darf. Jean Paul’s Regel für die Interpunction: Wenn der Sinn halb aus ist, machst du ein Komma, wenn der Sinn ganz aus ist, machst du ein Punctum, und wenn du etwas geschrieben hast, worin gar kein Sinn ist, kannst du Komma und Punktum setzen, wo du willst; diese Regel sage ich, leidet hier durchaus keine Anwendung.

* Insbesondere das Lied mit dem Anfang „Oh fühlt’s! wie strahlend reicher Segen“ aus der Oper „Die Stumme von Portici“ von Daniel François Esprit Auber.

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