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Sonntag, 10. April 2011

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters


Wie wahr, wie wahr. Und deshalb sollten Autoren die Floskel schön vermeiden. Denn was sagt zum Beispiel „schöne“ Frau aus? Jeder Leser stellt sich etwas anderes darunter vor und überlegt, was der Autor wohl damit gemeint hat, statt weiterzulesen. – Aber das ist nicht Thema dieses Blogs.

Die Frage ist: Woher kommt dieses Sprichwort, oder ist es eine Redewendung oder gar ein Zitat?

Nun, der schöne Spruch

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters
Beauty is in the eye of the beholder
La beauté est dans l'oeil de celui qui regarde
La bellezza sta negli occhi di chi guarda
Skönheten ligger i betraktarens ögon
La belleza está en el ojo de quien la contempla

ist ein Zitat. Aber von wem ist es?

Zwar werden Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Max Putzler (1915–1998) und der französische Maler Gustave Moreau (1826–1898) als Urheber genannt, aber ich habe dafür keine Quellen gefunden. Tatsächlich kommt es aus dem Englischen und wird Lew Wallace (1827–1905), dem Autor von Ben Hur, und Margaret Wolfe Hungerford (Pseudonym Duchess) (1855–1897) zugesprochen.

Bei Lew Wallace heißt es:
Do I not know beauty is altogether in the eye of the beholder, and that all persons do not see alike?
(In Lew Wallace: The Prince of India Or Why Constantinople Fell. The Echo Library 2005, S. 99)

und bei Margaret Wolfe Hungerford:
Certainly, “beauty is in the eye of the beholder.“ She is painfully ugly,’ says Miss Beauchamp. ‘Such feet, such hands and such a shocking complexion!’
(In Duchess: Airy fairy Lilian. Elibron Klassiks 2005, S. 26)

Die Idee dazu ist aber viel älter. William Shakespeare ((1564–1616) schreibt im 2. Akt, Szene 1 von Loves Labours Lost (Liebes Leid und Lust oder auch Verlorene Liebesmüh):
Good Lord Boyet, my beauty, though but mean, / Needs not the painted flourish of your praise: / Beauty is bought by iudgement of the eye, / Not uttred by base sale of chapmens tongues
Mein Lieber Lord Boyet, obwohl meine Schönheit nur durchschnittlich ist / benötigt sie nicht die Ausschmückung eures Lobgesangs, / denn Schönheit liegt im Auge des Betrachters / und muss nicht durch die Zunge des Hausierers angepriesen werden
und David Hume (1711–1776) in Of the Standard of Taste:
Beauty is no quality in things themselves: it exists merely in the mind which contemplates them.
(In David Hume: Essays and treatises on several subjects. London 1758, S. 136)

Auf einer Webseite las ich, dass der Spruch von den alten Griechen um 300 v. Chr. überliefert ist, und das denke ich auch. Aber einen Beleg dafür habe ich nicht gefunden.

Kommentare:

  1. Von welchen Seiten hast du diese Anagben, hast du Quellen dazu, danke :)

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  2. Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
    Thukydides (um 455 - 396 v. Chr.), griechischer Flottenkommandant im Peloponnesischen Krieg und Historiker
    (aus: aphorismen.de)

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