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Sonntag, 27. Februar 2011

Erasmus von Rotterdam über Plagiate

Aber noch größere Schlaumeier sind jene, die fremdes Geistesgut als ihr eigenes ausgeben und den Ruhm, den andere sich verdient haben, unter allerlei Behauptungen auf ihre Person zu übertragen verstehen. Dabei sind sie sich darüber im klaren, daß sie über kurz oder lang doch als Plagiatoren entlarvt werden, aber eine Zeitlang wollen sie doch ihren Nutzen aus jener Täuschung ziehen. Ja, seht sie euch nur an, wie selbstgefällig sie sich geben, wenn sie allenthalben Ruhm einheimsen, wenn sie inmitten der großen Masse auffallen und die Leute auf sie zeigen und es heißt: »Das ist der Allerweltskerl!«, wenn sie gar in den Auslagen der Buchhändler ihre Elaborate entdecken und Seite für Seite obenan ihre sämtlichen Vor- und Zunamen prangen, wenn möglich in fremder Sprache und möglichst exotisch klingend.
Erasmus von Rotterdam (Erasmus, Lob der Torheit. W. Goldmann, 1968, S. 89)

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